4. Ähm – Sie haben da etwas Wichtiges vergessen.

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Wir können nicht umhin, aufrichtiges, tiefes Mitleid mit der Frau in diesem Nachrichtenbeitrag zu empfinden, deren Geschichte anonym bleiben sollte. Sie stimmte nur widerwillig, zögernd und mit Bauchschmerzen zu, gefilmt zu werden, in der festen Annahme und dem Vertrauen, dass ihre Identität und ihr Gesicht durch eine professionelle Unschärfemaske zuverlässig geschützt und verdeckt würden. Doch wie das zweite Bild eindeutig, klar und erschreckend zeigt, ist das leider nicht der Fall: Ihr Gesicht ist im Hintergrund vollkommen deutlich, klar und unverkennbar zu erkennen, während der Reporter im Vordergrund mit einer anderen Person spricht. Sie sieht alles andere als glücklich, zufrieden oder entspannt aus. Entweder der Reporter vor Ort, der Kameramann oder das Editierungsteam im Nachhinein hat einen schwerwiegenden, peinlichen, unentschuldbaren Fehler gemacht.Dieser offensichtliche, krasse Redaktionsfehler ist ein perfektes Beispiel dafür, wie selbst renommierte, professionelle, erfahrene Nachrichtenagenturen und TV-Sender peinliche, unprofessionelle Fehler machen können, die die Privatsphäre, die Anonymität und den Schutz von Personen ernsthaft gefährden, verletzen und missachten. Die Ironie ist dabei besonders deutlich, bitter und tragisch: Ihr Gesicht ist in einer Aufnahme unscharf dargestellt, verpixelt und anonymisiert, in einer anderen Aufnahme hingegen vollständig, klar und ohne jegliche Verfremdung sichtbar. Dies erinnert uns daran, wie wichtig akribische Sorgfalt, professionelle Arbeitsethik und absolute Gewissenhaftigkeit bei der Detailbehandlung in der Journalismusarbeit sind – insbesondere dann, wenn der Schutz der Anonymität ausdrücklich versprochen, zugesichert und rechtlich garantiert wurde. Die offensichtliche Frustration, Enttäuschung und Verzweiflung der Frau im Hintergrund trägt nur zusätzlich zur Peinlichkeit, zum Drama und zur Tragik der gesamten Situation bei. Man kann sich nur allzu gut, nur zu lebhaft vorstellen, welche hitzigen, emotionalen Diskussionen nach dieser peinlichen Ausstrahlung geführt wurden sowie wie hektisch, panisch und verzweifelt versucht wurde, den Fehler nachträglich zu beheben, zu korrigieren und Schadensbegrenzung zu betreiben. Dies sollte allen Nachrichtenredakteuren, Produzenten und Verantwortlichen als eindringliche Warnung vor der enormen Bedeutung einer doppelten, dreifachen Überprüfung sensibler Inhalte dienen, bevor diese veröffentlicht, ausgestrahlt und online gestellt werden.